Am 22. November 2025 luden die Salvatorianerinnen die renommierte Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb zu einem Vortrag in den Salvatorsaal des St.-Josef-Krankenhauses in Wien-Hietzing ein. Im Zentrum standen zwei Fragen von höchster Aktualität: Wie dramatisch ist die Klimakrise – und welche Verantwortung trägt jeder Einzelne für die Bewahrung der Schöpfung?
Gleich zu Beginn machte Kromp-Kolb klar, dass der Klimawandel ohne entschlossenes, globales Handeln in eine weltweite Klimakatastrophe münden könnte. Das internationale 1,5-Grad-Ziel sei nach heutigem Stand kaum noch erreichbar – und wenn doch, dann nur durch sofortige und tiefgreifende Maßnahmen seitens der Regierungen weltweit. Die notwendige politische Bereitschaft dafür sieht sie jedoch derzeit nicht.
Umso wichtiger sei es, dass jeder Beitrag zählt: „Kein Land und keine Person ist zu klein oder unwichtig. Industrie, Landwirtschaft, Politik und jeder Einzelne – alle haben Möglichkeiten, etwas beizutragen“, betonte die Expertin.
Ein zentraler Punkt im Vortrag war der drastische Energieverbrauch der Menschheit. Um die Erderwärmung zu bremsen, müsse dieser reduziert und möglichst rasch von fossilen auf erneuerbare Energien umgestellt werden.
Im Alltag sei Energiesparen oft einfacher, als man denke. Kromp-Kolb nannte konkrete Beispiele:
Beim Kochen einen Deckel verwenden
Duschen statt Baden
Heizung um einen Grad absenken – das spart etwa sechs Prozent Heizenergie
Stoßlüften statt Dauerlüften
Licht ausschalten beim Verlassen eines Raumes
Diese kleinen Veränderungen hätten in ihrer Summe eine große Wirkung – und könnten sofort umgesetzt werden.
Auch beim Konsumverhalten sei ein Umdenken notwendig. Jeder Kauf verbrauche Energie: Herstellung, Transport, Nutzung und Entsorgung. Deshalb plädierte die emeritierte BOKU-Professorin für:
bewussten Einkauf
Reduktion auf das tatsächlich Benötigte
bevorzugt regionale, langlebige und reparierbare Produkte
Weniger Konsum bedeute nicht weniger Lebensqualität, so Kromp-Kolb, sondern oft sogar mehr – denn er befreie von unnötigem Ballast.
Was macht ein gutes Leben aus? Diese Frage stellte die Klimaexpertin ins Zentrum einer notwendigen Bewusstseinsveränderung. Um weltweit ein „gutes Leben für alle“ zu ermöglichen, müsse jeder für sich reflektieren, was wirklich zählt.
Immaterielle Werte wie Familie, Freundschaften und persönliche Hobbys seien langfristig erfüllender als materielle Statussymbole wie ein großes Auto, ein riesiges Eigenheim oder Fernreisen. „Die immateriellen Werte kosten weniger, verbrauchen weniger Energie und machen nachhaltig zufrieden“, so Kromp-Kolb.
Zum Abschluss unterstrich Kromp-Kolb eine oft übersehene, jedoch entscheidende Dimension nachhaltiger Entwicklung: den Frieden. „Ohne Frieden kann es keine nachhaltige Entwicklung geben – und ohne nachhaltige Entwicklung keinen Frieden. Krieg ist Zerstörung pur: von Menschenleben, Familien, Kultur und Natur.“
Damit spannte sie den Bogen zurück zur Schöpfungsverantwortung: Nachhaltigkeit beginnt bei jedem Einzelnen, wirkt jedoch nur im Miteinander.