Franziskus Jordan wurde am 16. Juni 1848 in Gurtweil in Baden als Johann Baptist Jordan geboren. Er wuchs in sehr einfachen und armen Verhältnissen auf. Als Schüler war er begabt, aber nicht besonders fleißig, und stets zu Streichen aufgelegt. Sein Vater starb, als er noch jung war, was die Familie in große wirtschaftliche Schwierigkeiten brachte. Diese prägende Erfahrung veränderte ihn jedoch tief: Er wurde stiller, nachdenklicher – und schon früh entwickelte Jordan den Wunsch, Priester zu werden. Da seine Familie ihm zunächst keine höhere Ausbildung finanzieren konnte, begann er eine Lehre als Maler und Dekorationsmaler und arbeitete zeitweise auch beim Bau von Eisenbahnen. Erst später konnte er die notwendige Schulbildung durch die Unterstützung wohlwollender Menschen nachholen und das Abitur ablegen. Mathematik fiel ihm schwer, dafür entpuppte er sich als Sprachentalent.
Nach dem Abitur begann Jordan ein Studium der Theologie und Philosophie an der Universität Freiburg im Breisgau. 1875 begann Jordan sein „Geistliches Tagebuch“. Am 21. Juli 1878 wurde er zum Priester geweiht. In der Zeit des sogenannten Kulturkampfes war es für katholische Priester in Deutschland schwierig, ihren Dienst auszuüben. Deshalb ging Jordan nach Rom, wo er seine Studien fortsetzte und mehrere orientalische Sprachen lernte. Er galt als außergewöhnlich sprachbegabt und beherrschte viele Sprachen.
Während eines Aufenthalts im Heiligen Land reifte in ihm die Idee einer neuen Gemeinschaft. Sie sollte die Botschaft Jesu Christi auf allen möglichen Wegen verkünden.
Auf dem Berg Karmel empfing er einen entscheidenden Impuls:
„Mit aller Kraft führe das Werk aus; lasse dich durch nichts entmutigen!“ (Geistliches Tagebuch 155, 14. April 1880)
Er knüpfte Kontakte und gewann bedeutende Mitarbeiter, darunter den Weltpriester Bernhard Lüthen. Am 8. Dezember 1881 gründete er in Rom die „Gesellschaft des Göttlichen Heilandes“ (Societas Divini Salvatoris, SDS), die später als Salvatorianer bekannt wurde. Ziel dieser Gemeinschaft war es, den Glauben weltweit zu verbreiten und Menschen für das Evangelium zu gewinnen. Erst 33-jährig, feierte er im Sterbezimmer der hl. Birgitta von Schweden Eucharistie. Dort legten Bernhard Lüthen und Friedrich von Leonhardi ihr Versprechen ab, der neuen Gemeinschaft beizutreten.
Jordan war überzeugt, dass alle Getauften zur Verkündigung des Evangeliums berufen sind. Deshalb wollte er Priester, Ordensleute und Laien gemeinsam in den Dienst der Kirche stellen. Schon bald entstanden erste Niederlassungen des Ordens in verschiedenen Ländern Europas sowie in Nord- und Südamerika und in Indien.
Gemeinsam mit Therese von Wüllenweber, die später den Ordensnamen Mutter Maria von den Aposteln annahm, gründete Jordan am 8. Dezember 1888 in Tivoli bei Rom den weiblichen Zweig der Gemeinschaft, die Schwestern des Göttlichen Heilandes (Salvatorianerinnen).
Der Salvatorianerorden wuchs rasch und erhielt 1911 die päpstliche Anerkennung. Aufgrund gesundheitlicher Probleme und der politischen Situation während des Ersten Weltkriegs wurde der Ordenssitz von Rom in die Schweiz verlegt. Jordan verbrachte seine letzten Jahre in Fribourg und starb am 8. September 1918 in Tafers (Schweiz).
Franziskus Jordan wurde wegen seines tiefen Glaubens und seines Einsatzes für die Verkündigung des Evangeliums im Ruf der Heiligkeit verehrt. Nach einem langen kirchlichen Verfahren wurde er am 15. Mai 2021 in Rom seliggesprochen.
Heute wirken die Salvatorianer, Salvatorianerinnen und salvatorianische Laiengemeinschaften in vielen Ländern der Welt. Sie setzen Jordans Vision fort, die Botschaft Jesu Christi mit allen verfügbaren Mitteln zu verkünden und Menschen Hoffnung zu geben.