Quellen salvatorianischer Spiritualität

Das Geistliche Tagebuch von P. Franziskus Jordan

„Alles zur größeren Ehre Gottes und zum Heil der Seelen.“ Mit diesem ignatianischen Leitwort beginnt P. Franziskus Jordan am 1. Juli 1875 sein Geistliches Tagebuch. Er ist zu diesem Zeitpunkt 27 Jahre alt und studiert Theologie an der Universität Freiburg im Breisgau. Dieses Motto prägt seine geistlichen Aufzeichnungen von Anfang an und taucht immer wieder im Tagebuch auf.

Das Tagebuch enthält eine Vielzahl tief empfundener Gedanken, Eingebungen, Vorsätze und Gebete. P. Jordan notierte darin Texte, die er in geistlichen Büchern gelesen, in der Meditation betrachtet oder selbst formuliert hatte. Für ihn war dieses Tagebuch ein persönliches Hilfsmittel auf seinem geistlichen Weg. Eine Veröffentlichung hatte er nie vorgesehen. Auf seinem Sterbebett erklärte er, dass darin nur Dinge niedergeschrieben seien, die zwischen ihm und Gott stünden.

Gerade deshalb erlaubt das Tagebuch einen besonders authentischen Einblick in den geistlichen Reifungsprozess des Ordensgründers. Es lässt erkennen, wie ernst und konsequent P. Jordan um sein geistliches Leben, seine Berufung und seine Sendung gerungen hat. Zugleich spiegeln die Aufzeichnungen die Schlichtheit, Tiefe und Aufrichtigkeit seiner religiösen Persönlichkeit wider. Das Tagebuch kann daher als eine wichtige Grundlage der salvatorianischen Spiritualität gelten. Es ist gleichsam eine Geschichte seiner Seele.

Pater Jordan begann seine Aufzeichnungen während seiner Studienzeit und führte sie bis wenige Monate vor seinem Tod fort. Das Tagebuch ist in vierzehn Sprachen verfasst. Besonders während seiner Seminarzeit in St. Peter sammelte er zahlreiche geistliche Texte aus beiden christlichen Jahrtausenden, die ihn in der Entfaltung seiner eigenen Spiritualität unterstützten. Gleichzeitig dokumentieren die Einträge seine persönlichen geistlichen Erfahrungen, sowohl in Zeiten innerer Prüfungen als auch in Momenten großer Freude. Sie bezeugen sein geistliches Ringen und seine apostolische Sehnsucht.

Neben dem Tagebuch prägten auch seine sogenannten Kapitelansprachen das geistliche Leben der Gemeinschaft. Bei den wöchentlichen Zusammenkünften der Mitbrüder gab P. Jordan spirituelle Impulse weiter und teilte seine apostolischen Erfahrungen.

Heute ist das Geistliche Tagebuch eine zentrale Quelle, um die Spiritualität des Gründers zu verstehen. Nachdem es 1981 in deutscher Sprache mit Kommentar in einer zweibändigen Ausgabe erschien und 1999 als Faksimile mit Transkription veröffentlicht wurde, wurde 2006 eine neue deutsche Ausgabe mit Einführungen vorgelegt. Dadurch wurde das Werk einem breiteren Leserkreis zugänglich.

Durch sein Tagebuch und durch sein Leben kann P. Franziskus Jordan auch heute ein geistlicher Begleiter für Menschen sein, die nach einem Weg zu apostolischer Hingabe und christlicher Heiligkeit suchen.